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Süditalien April 2011


Wohin mit dem Töff im April? Urs‘ Idee: Nach Süditalien! Entlang der Amalfiküste und durch die Abruzzen.

Die Amalfitana, die Einheimischen nennen sie die schönste Küstenstrasse der Welt, und die Abruzzen locken uns in das südliche Italien. Bei Prachtwetter fahren wir los. Der Blick auf die mächtigen, noch tief verschneiten Alpen, die sich zum Greifen nah vor uns präsentieren, ist atemberaubend. Leider hat der Gotthard noch einige Wochen Wintersperre und wir werden uns durch die Röhre quälen müssen.


Dienstag, 5.4.2011   •   Von Waltenschwil via Merenschwand nach Chiávari in Ligurien   •   492 km

Für unsere erste Etappe ist nicht der Weg das Ziel. Die Autobahnkilometer bis an die nördlichen Ausläufer des Appenin bringen wir zügig hinter uns. Bei Voghero verlassen wir die Schnellstrasse und ab Varzi beginnt der Spass mit dem ersten Pass! – Im Hotel angekommen gibts das obligate Bier.

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Abfahrt bei Postkartenwetter

 

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Urs und Fredi geniessen das Feierabendbier

 


Mittwoch, 6.4.2011   •   Chiávari – San Giminiano   •   264 km

Von der ligurischen Küste fahren wir landeinwärts und auf Teilstrecken der berühmten MILLE MIGLIA streben wir der Toskana zu. Die Strassen sind in ansprechendem Zustand, ab und zu gönnen wir uns eine kurze Pause und schiessen ein paar Bilder. Etwas ausserhalb von San Giminiano beziehen wir ein Hotel. Es ist zwar sündhaft teuer, aber weil ein Anruf bei einer anderen Herberge zu Tage fördert, dass viele Hotels erst auf Ostern öffnen werden, beissen wir wohl oder übel in den sauren Apfel.

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Ein Dorf wie so viele …

 

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… beim Anflug …

 

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… auf San Giminiano.

 


Donnerstag, 7.4.2011   •   San Giminiano – Rieti   •   378 km

Auf dem Weg weiter nach Süden wählen wir zuerst die Direttissima. Lichter Mischwald und Weidegebiete lösen sich in rascher Folge ab. Auf kleinen Ebenen liegen weit verstreut kleine Weiler oder auch nur einzelne Höfe, ab und zu folgt ein kleines Dorf. Nach Roccastrada verlassen wir die SS73 in öslicher Richtung und erreichen Arcidosso.  Ein paar Dörfer weiter beginnt buchstäblich eine Bergrennstrecke auf den 1738 Meter hohen Monte Amiata – und hier liegt noch jede Menge Schnee. Der Lago di Bolsena ist unser nächstes Ziel für eine kleine Ruhepause. Der kreisförmige See, er misst ca. 6 km im Durchmesser, ist ringsum von eienm Hügelzug umgeben; es ist der Kratersee eines längst erloschenen Vulkans. Gegen Abend erreichen wir das am Rande der Abruzzen gelegene Rieti. Hier findet alljährlich ein Weltklasse-Leichathletik-Meeting statt. Am 9. September 2007 stellte der Jamaikaner Asafa Powell einen neuen Weltrekord über 100 Meter in 9,77 Sekunden auf. Rieti gilt als der geografisch Mittelpunkt Italiens, es ist sozusagen Italiens Aelggi-Alp. Anmerkung: Die Aelggi-Alp ob Sachseln im Kanton Obwalden ist der geografische Mittelpunkt der Schweiz.

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Die R 1200 RT hat hier genau 10000km auf dem Tacho

 

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Vetta Amiata – Auf 1734 Meter liegt noch jede Menge Schnee

 

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Fredi mitten auf der Skipiste

 


Freitag, 8.4.2011   •   Rieti – Gaeta   •   290 km

Die Route entlang des Lago del Salto erweist sich als Flop. Das schmale Strässchen eingezwängt zwischen dem Stausee und dem Berghang ist mehr als holprig und zieht sich endlos dahin. Meist verläuft es im Wald und lässt kaum den Blick frei auf das Wasser. Bis Pescina preschen wir über die Autobahn. Wegen einer Strassensperrung sind wir gezwungen anstelle der SP 21 etwas weiter östlich die SP 17 zu nehmen. AbBisegna wird es wieder alpin. Wir erreichen eine einsam gelegene Hochebene und wähnen uns fast wie im Bündnerland. Bald erreichen wir Pescasséroli; es ist Zeit für eine Kaffeepause. Über die Forca d’Àcero – sie liegt südlicher als Rom – liegt immer noch Schnee. Trotzdem haben wir unseren Spass an der Kurvenorgie fast ohne Ende. Unser nächstes Ziel ist die Abtei von Montecassino. Nach diesem Besuch suchen wir uns ein Hotel am Meer und landen in Gaeta.

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Pescasséroli im Parco Nazionale d’Abruzzo – Urs plant die Route Richtung Monte Cassino

 

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Forca d’Acero – Schnee auf 1500 m

 

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Das Kloster auf dem Montecassino wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt …

 

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… und später vollständig wieder aufgebaut.

 


Samstag, 9.4.2011   •   Gaeta – Mercogliano/Avellino   •   336 km

Bei der Routenbesprechung Richtung Amalfiküste beschliessen wir Neapel auf der Autobahn zu umfahren. Kurz entschlossen folge ich dem Wegweise TANGENZIALE. Zu spät erkenne ich, dass es sich dabei nicht um die östliche, sondern um die nördliche Umfahrung Richtung Pozzuoli handelt. Nun fährt Urs wieder nach Navi und wir erreichen problemlos Castellamare di Stábia und befinden uns am Ende eines, wie sich später heraus stellen wird, ellenlangen Staus. Aber wir befinden uns ja im südlichen Italien. Junge Italiener brausen die doppelte Sicherheitslinie igniorierend im Höllentempo an uns vorbei. Wir schauen dem Spektakel sprachlos zu, bis uns die Autofahrer vor uns unmissverständlich vorbeiwinken. Wir fahren vorsichtig nach vorn, denn auch der Gegenverkehr ist recht zügig unterwegs. Im Westen windet sich die Strasse steil bergwärts. In der Ferne erkennen wir Capri. Nach der Wendeschlaufe im äussersten Zipfel fahren wir einige Kilometer auf dem schmalen Bergrücken. Auf beiden Seiten liegt tief unter uns das offene Meer. – Fantastisch! – Entlang der südlichen Amalfitana kurven wir Salerno zu. In Mercogliano bei Avellino beziehen wir Quartier im Grand Hotel Irpinia.

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Der Golf von Neapel mit dem Vesuv im Hintergrund

 

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Idylle an der Amalfiküste

 

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Amalfiküste

 

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Urs auf der Amalfitana

 


Sonntag, 10.4.2011   •   Mercogliano/Avellino – Carámanico Terme   •   350 km

Auf Nebenstrassen erreichen wir Benevento. Wir umfahren das Städtchen und erreichen schon bald die Ausläufer des APPENNINO NAPOLETANO. Über Campobasso und Isérnia erreichen wir Sulmona. Die düppigfeuchte Luft treibt uns hoch in die Berge. In Caramánico Terme habe viele Hotels noch geschlossen. Eine nette Signora empfielt uns das Ristorante Cavaliere. Es bietet auch Gästezimmer in der Dependance an und ist ein absoluter Geheimtipp! Nachdem uns die Tochter(?) des Hauses in unser Quartier geführt hat, braust sie mit ihrem Jeep davon und bringt uns eins-zwei-drei 4(!) kühle Flaschen Bier. Das Abendessen ist wohl für kanadische Holzfäller gedacht: Wir sind schon nach der Vorspeise satt!

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Piazza Grande di Sulmona

 

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Die Anfahrt von Sulmona …

 

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… nach Caramanico Terme.

 

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Nach rasanter Fahrt durch die Abruzzen …

 

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… landen wir im Cavaliere bei Caramanico Terme.

 


Montag, 11.4.2011   •   Carámanico Terme – Nórcia   •   285 km

Ein massiver Schlagbaum hindert uns an der Durchquerung des Campo Imperatore auf dem Gran Sasso d’Italia. Die noröstliche Umfahrung führt uns über eine zwar asphaltierte, aber mit unzähligen Verwerfungen und Schlaglöchern durchsetzten Holperpiste. Sie erfordert unsere volle Aufmerksamkeit. Ab und zu ist die rund 25 km entfernte Adriaküste erkennbar. Ab Villa Vomano fahren wir durch das Tal des FlussesVomano aufwärts, zweigen dann kurz vor der Passhöhe rechtsab und erreichen nach kurzer Zeit den Lago di Campotosto. Über die Forca Canapine geniessen wir noch eimal die Fahrt durch eine herrliche Landschaft und streben Nórcia zu. Um Nórcia ist weden Schwarze Trüffel gefunden und im schmucken Städtchen feilgeboten. Wir erfahren, dass im Naturschutzgebiet auch viele Wildsauen hausen und als Wildtieren zum Abschuss freigegeben sind.

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Via Castel del Monte …

 

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… steuern wir Campo Imperatore an …

 

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… und – Endstation vor dem Campo Imperatore.

 

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Viehtrieb in den Abruzzen

 

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Forca Canapine 1543 m

 


Dienstag, 12.4.2011   •   Nórcia – Bagno di Romagna   •   322 km

Via Spoleto – Todi – Orvieto erreichen wir Montepulciano. Zum Glück ist das Städtchen noch nicht von Touristen überschwemmt. Unser Rundgang endet, wie könnte es auch anders sein, in einer kleinen Gartenbeiz. Wir fahren wieder nordwärts, umfahren Arezzo und gelangen nach Bibbiena. Über den Passo dei Mandrioli gelangen wir nach Bagno di Romagna. Wir checken im Hotel Al Tiglio ein und lernen ein aussergewöhnliches Hotelierpaar, Ersilia und Villiam, kennen. Ihre Passion: Die Märchhenwelt des Gnomo Mentino. Sie haben einen Sentiero degli Gnomi gebaut und mehrere Bücher selber geschrieben und illustriert. Auf dem Gnomenweg haben sie selbstgestaltete Briefkästen plaziert, wo die Kinder auf Zetteln ihre Sorgen, Nöte und Fragen an den Gnomo Mentino richten können. Ersilia und Villiam sammeln sie eigenhändig ein und beantworten sie auch so.

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Urs auf der Abfahrt Richtung Spoleto

 

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Montepulciano

 

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Urs mit dem Gastgeberpaar im Al Tiglio

 

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Villiam und Ersilia mit ihren Werken

 

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Villiam signiert die Geschenke an uns

 


Mittwoch, 13.4.2011   •   Bagno di Romagna – Maranello   •   297 km

Heute fahren wir etwas später los. Über den Colle del Carnai peilen wir Santa Sofia an. Ab hier steigt die Strasse stetig an und es wird spürbar kühler. In der Nacht muss es in den höher gelegenen Regionen geschneit haben. Die Bergkämme sind schneebedeckt. Aber die Strassen sind trocken und wie so oft – es hat null Verkehr und wir geben die Zügel frei. Und weil schon mal im Mugello sind, statten wir der gleichnamigenRennstrecke einen Besuch ab. Via Castiglione dei Pepoli und Porretta Terme gelangen wir nach Séstola. Wir schauen uns kurz um und fahren weiter. Vielleicht spricht uns in Pavullo nel Frignano etwas zum Übernachten an. Fehlanzeige. Die 30 Kilometer bis Maranello sind schnell geschafft. Überall ist sichtbar: Wir sind im Ferrariland! Auch in Hotel Domus.

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Über Nacht hat es im Apennin geschneit

 

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Auf dem Passo della Calla

 

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Eine Multistrada taugt auch bei ICE

 

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Autodromo del Mugello

 


Donnerstag, 14.4.2011   •   Maranello – Merenschwand und Waltenschwil   •   474 km

Für die Heimfahrt bieten sich keine spektakulären Routen an. Also, ab über die Autobahn. Nach einem gelungenen zehntägigen Giro d’Italia ohne Regen – und das im April – verabschieden wir uns bei einem Bierchen im Restaurant Kreuz in Schoren/Mühlau.

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Ein letztes Prost!

 

 

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